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Der Mürmes

ein Naturschutzgebiet

 

Hinweis: Die Besucher bitten wir herzlich, durch ihr Verhalten der Empfindlichkeit des Gebietes und seiner Bewohner Rechnung zu tragen.
Stören Sie die Tierwelt nicht und verlassen Sie bitte nicht die Wege!
Machen Sie Ihre Beobachtungen in Ruhe! - Danke!

 

Das Naturschutzgebiet Mürmes  -  Juwel mit einer Erfolgsgeschichte

Das einmalige Naturschutzgebiet Mürmes ist in mehrfacher Sicht eine Erfolgsgeschichte. Das etwa 40 ha große Moor westlich von Ellscheid liegt in einer weiten Senke, die durch den Ausbruch eines Vulkans vor etwa 11.000  Jahren entstanden ist. Der ursprünglich flache Maarsee wuchs zu einem Flachmoor mit einer etwa 4 m dicken Torfschicht zu, das sich zu einem Übergangsmoor wandelte. Ein Übergangsmoor ist ein Stadium zwischen einem Niedermoor und einem Hochmoor. Ein Hochmoor ist durch Nährstoffarmut gekennzeichnet, wodurch bestimmte Pflanzen sich entwickeln können. Im Mürmes sind Schmalblättriges Wollgras, Schnabel-Segge, Faden-Segge und Sumpf-Blutauge anzutreffen. Erhöhter Nährstoffeintrag aus den umliegenden Äckern ließ immer mehr Weiden und Bäume wachsen, die die ursprünglich nährstoffarme Vegetation verdrängten. Durch das EU-LIFE-Projekt 'Moore', das von der Stiftung Natur und Umwelt zwischen 2011 und 2016 geleitet wurde, konnten verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Situation umgesetzt werden. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Regeneration und Sicherung von bedeutenden Moorlebensräumen herbeizuführen sowie die von Moorlebensräumen ausgehende CO2-Freisetzung zu stoppen und die CO2-Bindung der Moore wieder zu aktivieren. 2015 wurde eine Anlage im nördlichen Bereich gebaut, die dem einfließenden Wasser aus den umliegenden Ackerflächen Nährstoffe entzieht. Am südlichen Ende wurde 2016 ein Stauwehr im Damm neu errichtet. Der Wasserstand erhöhte sich nun. Ein besonderes Projekt stellt die gelungene Ansiedlung des Hochmoor-Perlmuttfalters dar. Schließlich wurde mit dem Mürmes-Rundweg ein viel begangener Wanderweg ausgewiesen.

 

Bedeutung für die Pflanzen- und Tierwelt

Der Mürmes ist Lebensraum seltener Pflanzenarten wie Schmalblättriges Wollgras, Rundblättriger Sonnentau, Fieberklee, Haarstrang-Wasserfenchel, Geflecktes Knabenkraut sowie Teil- oder Ganzjahreslebensraum für viele Amphibien- und Insektenarten (vor allem Schmetterlinge und Libellen wie Binsen-Jungfer, Adonis-Libelle, Hufeisen-Azur-Jungfer, Gefleckte Smardlibelle, Heidelibelle).

Er ist Brutgebiet zahlreicher Vogelarten wie Wiesenpieper, Braunkehlchen, Wachtelkönig, Feldschwirl, Raubwürger, Rohrammer, Krikente und Bekassine.

Der Mürmes ist auch Nahrungs- und Jagdgebiet vieler Vogelarten wie Mäusebussard, Rotmilan, Sperber, Habicht, Turmfalke, Baumfalke, Waldkauz, Waldohreule und Graureiher.

Im Frühjahr und Herbst ist er Rastgebiet für Zugvögel wie Kranich, Weißstorch, Rohrweihe, Rotschenkel, Grünschenkel, Reiherente und Löffelente.

 

Entwicklungs- und Nutzungsgeschichte des Mürmes

um 10550 v.Chr.            Entstehung des Maares durch vulkanische Tätigkeiten.

bis ca. 8200 v.Chr.         Im Kesselgrund besteht ein kleiner See, der sehr langsam verlandete.

bis ca. 5000 v.Chr.         Im Maarkessel wächst ein Bruchwald (Birken und Erlen).

ab ca. 5000 v.Chr.          Der Bruchwald wird von einem Flachmoor abgelöst. Es handelt sich dabei vermutlich um ein Großsegenried und/oder ein Röhricht.

ab etwa 1400                  Die Grafen von Manderscheid und der Kurfürsten von Trier lassen einen etwa 250 m langen Damm zum Bau eines Fischweihers im Mürmesmoor aufschütten.

zw. 1779 und 1810         Im Rahmen der Säkularisation wird der Mürmes vermutlich verkauft. Falls er noch nicht trocken gefallen war, wurde wahrscheinlich der Damm durchstochen.

ab etwa 1860                  Durch die Einwohner der umliegenden Dörfer wird Torf für Heizzwecke gestochen. Mehrere Entwässerungsgräben werden angelegt.

bis 1951                           Der gesamte zentrale Bereich des Moores ist bis auf wenige Ausnahmen abgetorft. 1951 wird zum letzten Mal Torf gestochen. Die   Moorwasserflächen haben sich zu großen Teilen mit einem Schwingrasen bedeckt. Die Randbereiche
                                          weisen artenreiche Feuchtwiesen auf.

10.04.1975                      Ausweisung des Mürmes als Naturschutzgebiet.

1975 - 1977                     Der Wasserspielgel sinkt mangels Niederschlag extrem ab.

ab 1978                           Ein kleiner Damm und kleine Wehre im Süden am Hauptentwässerungsgraben werden errichtet, um den Wasserspiegel wieder anzuheben. Der Versuch zeigt kleine Erfolge.

1979/80                           Ankauf von ca. 20 ha des Naturschutzgebietes durch den NABU.

ab 1982                            Einbeziehung des Mürmes in das Maarprogramm. Weitere Flächen werden vom Kreis Vulkaneifel vor allem außerhalb des NSG gekauft.

Mitte 1980er Jahre         Der Wasserspiegel steigt wieder an durch erhöhten Niederschlag.

1986                                 Ein Beton-Wehr wird am südlichen Auslauf des Entwässerungsgrabens beim Damm gebaut. Der Wasserstand liegt 30 - 50 cm höher als die Jahrzehnte davor.

ab 1987                            Erste Grünlandflächen am Rand des Moores werden extensiv nach den Richtlinien des Biotopsicherungsprogramms bewirtschaftet. Es  entsteht ein etwa 20 bis 50 m breiter, extensiv bewirtschafteter Grünlandstreifen um das Moor herum,
                                          der als "Pufferzone" wirken soll.

1992                                 Der Schwingrasen wird nicht mehr überflutet, da er schwimmend immer dem aktuellen Wasserstand folgt.

2011                                 Der Wasserstand wird durch das Aufschweißen einer Metallplatte am Wehr um etwa 25 cm erhöht.

2011 - 2016                     EU-Life-Projekt 'Moore', das auch den Mürmes miteinbezogen hat.

2011                                 Der Hochmoor-Perlmuttfalter wird wieder angesiedelt

2015                                 In zwei Denitrifikationsanlagen wird am nördlichen Rand das Wasser aus den Drainagen eingeleitet und Nährstoffe werden entzogen.

2016                                 Im Süden wird vor das alte Wehr ein neues, höheres Wehr gebaut,  wodurch der Wasserstand besser reguliert werden kann. Es ist ersichtlich, dass durch den höheren Wasserstand Weiden absterben.

(Lit.: Manfred Forst, Reinhold Hiermeier, Achim Kiebel, Barbara Rutzsatz: Hoch- und Zwischenmoore in Trockenmaaren der Vulkaneifel;  Bundesamt für Naturschutz, Bonn 1997)

 

Hochmoor-Perlmuttfalter wird im Mürmes wieder angesiedelt

Im Rahmen des LIFE-Projektes 'Moore' wurde der sehr seltene Hochmoor-Perlmuttfalter (Boloriaaquilonaris) im Mürmes angesiedelt. Der Hochmoor-Perlmuttfalter ist durch die Zerstörung seiner Umgebung, auf die er angewiesen ist, in den meisten Naturräumen inzwischen verschwunden. Er ist an saure Übergangsmoore und Hochmoore mit einer möglichst blütenreichen Umgebung gebunden. Die Eier werden nur an die Moosbeere (Vacciniumoxycoccos), einer typischen Hochmoorpflanze, abgelegt. Die Raupe ernährt sich  von dieser Pflanze. Die Falter fliegen zwischen Ende Mai und August, wobei die einzelnen Individuen nur wenige Wochen leben. In dieser Zeit ist er auf eine Umgebung mit vielen Nektarpflanzen angewiesen. Bei der Auswahl der Nektarpflanzen sind die Falter anpassungsfähig. Sie nehmen das, was sich anbietet. Stark besucht werden Sumpf-Blutauge, Margerite, Skabiosen-Flockenblume und Wiesen-Flockenblume.

Das EU-LIFE-Projekt 'Moore' versuchte den Hochmoor-Perlmuttfalter in weiteren Gebieten, die Voraussetzungen für den Falter erfüllten, anzusiedeln. Neben einem Vorkommen in der Pfalz  lebt der Hochmoor-Perlmuttfalter noch in der Vulkaneifel im Dürren Maar und im Strohner Määrchen. Im Mürmes war er vor 1990 erloschen. Da im Mürmes genug Moosbeeren vorhanden sind und in der Umgebung durch teils extensiv genutzten Wiesen mit einer späten Mahd gute Voraussetzungen gegeben waren, wurde am 15.6.2011 erstmals ein Umsetzungsversuch unternommen. Es wurden abends 38 Weibchen des Hochmoor-Perlmuttfalters im Schwingrasen mit vielen Moosbeeren ausgesetzt. Vom Dürren Maar stammten 28 und vom Strohner Määrchen 10. Im Jahr 2012 wurden weitere 22 Weibchen und 2 Männchen eingebracht. 2014 wurde die Population auf 300 Exemplare geschätzt.

 Die Wiederansiedlung des Hochmoor-Perlmuttfalters im Mürmes ist bis jetzt gelungen und als Erfolg zu werten.

(Lit.: Dr. Steffen Caspari: Wiederansiedlung des Hochmoor-Perlmuttfalters;  in: Denkanstöße 13, Moore schützen, hrsg. von der "Stiftung Natur und Umwelt" Rheinland-Pfalz, 2017)

 

Nährstoffentzugsanlage hilft dem Mürmes

Auf die Ackerflächen nördlich des Mürmes werden durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung Gülle und Dünger eingebracht. Dadurch fließt nährstoffreiches Wasser mit einem hohen Nitratgehalt durch in den 1960er Jahren angelegte Drainagen in den Mürmes. Das nährstoffarme Moor mit einer dafür typischen Vegetation wandelt sich durch den hohen Nährstoffeintrag. Vor allem Weiden und Bäume verdrängen die Moorpflanzen. Erprobt wird Abhilfe durch eine Denitrifikationsanlage, die das im Wasser enthaltene Nitrat mit Hilfe mikrobieller Prozesse reduziert.  

Zwei Denitrifikationsanlagen und eine Phosphateliminationsstufe wurden im Herbst 2015 von der Stiftung Natur und Umwelt im Rahmen des EU-LIFE-Projekts 'Moore' angelegt. Landesforsten und NABU unterstützten die Maßnahme. Die beiden großen Gruben wurden mit Folien ausgelegt und mit Holzhackschnitzel als Filtermaterial gefüllt. Sie wurden dann mit Folien abgeschlossen, damit keine Luft eindringen kann. Die Anlage wurde mit Boden bedeckt und der vorherigen Oberfläche wieder angeglichen. Das Wasser wird aus den Drainagen abgefangen und über Einlaufschächte in die Gruben geleitet. Nach dem Durchlaufen der Holzhackschnitzel, wobei das Nitrat weitgehend entzogen wird, gelangt das Wasser in den Mürmes. Bei einer Grube ist eine Filteranlage zum Entzug von Phosphaten vorgeschaltet. Mit Hilfe einer Online-Messstation, errichtet von der Abteilung für Angewandte Biologie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), kann der Zulauf und der Ablauf der Anlage im Rhythmus von drei Stunden auf Stickstoffverbindungen (Nitrat, Nitrit, Ammonium), organischem Kohlenstoff (TOC) und pH-Wert bestimmt werden. Die Messstation zeigt Nitratrückgänge von 60 – 80% an. Es kann von einem erfolgreichen Modell gesprochen werden, die bisher einmalig in Europa ist.

(Lit.: Viktoria Griesmeier, Christian Schulz: Technische Umsetzung und wissenschaftliche Begleitung einer Denitrifizierungsanlage am Mürmes;  in: Denkanstöße 13, Moore schützen; hrsg. von der "Stiftung Natur und Umwelt" Rheinland-Pfalz, 2017)

 

Durch das neue Stauwehr wird der Wasserstand erhöht

Bereits seit etwa 30 Jahren breiten sich bedingt durch den erhöhten Nährstoffeintrag Weiden im Mürmes aus. Neben dem Verdrängen der ursprünglichen Vegetation entziehen sie dem Moor auch Wasser. Verschiedene Versuche, die Ausbreitung der Weiden einzudämmen, schlugen fehl. Weiden vertragen jedoch einen dauerhaft hohen Wasserstand nicht, sie sterben ab.

1986 wurde ein massives Stauwehr errichtet, wodurch der Wasserstand reguliert werden konnte. Eine weitere Erhöhung war nicht mehr möglich. Um die Weiden weiter zurück zu drängen, müsste der Wasserstand erhöht werden. 2016 wurde ein neues Stauwehr vor das alte Wehr von der Stiftung Natur und Umwelt im Rahmen des EU-LIFE-Projekts 'Moore' gebaut. Der nun höhere Wasserstand zeigt seine Wirkung. Viele Weiden starben bereits ab. Die Wasserfläche vor dem Damm vergrößerte sich erheblich, wodurch viele Wasservögel angezogen werden. Das Lagg rund um den Mürmesrand ist durchgängig mit Wasser gefüllt.

Über das neue Stauwehr wurde eine Brücke errichtet, über die die Wanderwege Mürmes-Rundweg, Antoniusweg und Vulcano-Pfad führen.

 

Der Mürmesrundweg  -  ein Naturerlebnis

In Zusammenarbeit der Stiftung Natur und Umwelt im Rahmen des EU-LIFE-Projekts 'Moore' mit den Ortsgemeinden Ellscheid und Mehren wurde die Ausweisung eines Rundweges um den Mürmes umgesetzt. Die Ortsgemeinde Ellscheid hat dabei einen Teil der Kosten für die Brücke über dem neuen Mürmeswehr übernommen. Am Rand von Ellscheid beginnt ein Zuweg beim Parkplatz am Friedhof. Eine Begrüßungsstele mit ersten Informationen weist den Weg Richtung Mürmes. Nach etwa 800 m über einen Wanderweg ist der Mürmes erreicht. Mit Blick auf Mittelweiher und Mürmes lädt eine Sitzgruppe zum Verweilen ein. Auf den drei Stelen stehen Erklärungen zum Mittelweiher. Nun führt der ausgeschilderte Weg rechts hoch zur nächsten Station. Hoch über dem Mürmes schweift der Blick über das Moor. Auf den drei Stelen wird der Lebensraum für Vögel, Libellen und Falter im Mürmes erklärt. Mit einem stationären Fernglas kann der Mürmes näher betrachtet werden. Weiter geht es bald bergab zur nächsten Station näher am Mürmes, einem kleinen Turm. Dort wird auf die Pflanzenwelt im Moor eingegangen. Der weitere Weg führt über einen Waldweg mit mächtigen alten Buchen. Auf dem Höhenweg Richtung Saxler ist auf der einen Seite der Mürmes zu sehen und auf der anderen Seite der Sangweiher, ein sehenswertes Naturschutzgebiet bei Udler. Am Waldrand entlang kommt man bergab am Damm des Mittelweihers an. Der Mittelweiher ist wie der Mürmes im Mittelalter durch einen Damm zu einem Fischweiher aufgestaut worden. Kurz nach 1800 wurden die Dämme durchstochen und beide Weiher fielen trocken. Im Mittelweiher laufen durch kleine Staus im Mürmesbach Renaturierungsmaßnahmen. Höhepunkt des Mürmes-Rundweges ist der Blick von der Brücke über das Stauwehr auf die Wasserfläche. Auf den zwei Stelen wird die Entstehung und der Erhalt des Moores erklärt. Mit etwas Glück erschallt ein Froschkonzert. Über den von Bäumen gesäumten Damm führt  der Weg zurück nach Ellscheid.

 

 

 

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